Serie „Die Kunden und ich“

Seit 1993 an der Kasse: Über das Auf und Ab der Osnabrücker Filmpassage


Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 48: ein Mitarbeiter einer Kinokasse.

Seit 1993 arbeitet Carlos Sousa (45) in der Filmpassage in der Osnabrücker Johannisstraße, und zwar überwiegend an der Kinokasse. Ein Gespräch über Ausweiskontrollen, lange Schlangen – und Popcorn.

Herr Sousa, seit 1993 verkaufen Sie hier Kinokarten. Gibt es einen Film, der Ihnen in all dieser Zeit besonders im Gedächtnis geblieben ist.
Das war wohl „Titanic“. Da war es hier so voll, da sind wir richtig untergegangen.

Das passt ja zum Film.

Sicherlich. Man muss auch dazu sagen, dass es damals im Grunde nur uns als Kino in Osnabrück gab. Das war die gute Zeit der Filmpassage, da kamen noch Katja Riemann oder Hannes Jaenicke zu Filmvorführungen. Danach ist das Kino etwas heruntergekommen, aber seit Frau Thies vor fünf Jahren die Filmpassage übernommen hat, geht es wieder bergauf und wir können jedes Jahr einen Besucherzuwachs verzeichnen.

Wenn Sie an der Kasse arbeiten – müssen Sie da eigentlich häufig Ausweise kontrollieren?

Das kommt schon vor, zuletzt bei Stephen Kings „ES“. Der Film ist ab 16. Aber immer wieder gibt es Eltern, die denken, dass sie mit ihren jüngeren Kindern in den Film gehen dürfen, da sie sie ja begleiten. Wenn man dann mit dem Jugendschutzgesetz argumentiert, stößt man manchmal auf wenig Verständnis.

Ist das nicht so, dass Kinder in Begleitung ihrer Eltern in Filme für Ältere dürfen?

Das gilt nur bei Filmen, die ab zwölf Jahren freigegeben sind. Und auch nur dann, wenn die Kinder mindestens sechs Jahre alt sind.

Wenn man Karten für das Kino reserviert, heißt es, dass man sie mindestens eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung abholen muss. Wie oft kommt es denn vor, dass niemand die Karten holt?

Ich würde mal sagen, in 30 von 100 Fällen.

So oft? Und was ist, wenn es mit der besagten halben Stunde nicht klappt? Wenn ich es erst kurz vor dem Filmstart ins Kino schaffe? Verfallen dann meine Karten?

Das kommt darauf an. Wenn viel los ist und die Schlange richtig lang, dann warten wir noch – es kann ja sein, dass der Kinogast schon da ist, aber eben noch anstehen muss.

Wann ist denn besonders viel los?

Samstags. Und natürlich bei schlechtem Wetter. An einem guten Samstag kommen etwa 1800 Gäste, und wenn es richtig gut läuft über 2000.

Welche Verhaltensweise stört Sie bei Kinogästen?

Manche Gäste stehen an und wissen dann, wenn sie an der Reihe sind, immer noch nicht, welchen Film sie sehen wollen.

Und dann müssen Sie beraten?

Ja, das kann ich schon – aber hinter den Gästen warten ja auch noch andere ... Wir haben hier im Kinofoyer ein Display mit Informationen und Trailern zu den Filmen, auf die verweise ich dann meistens. Worüber ich mich außerdem ärgere, sind Kinogäste, die mit dem Handy telefonieren, wenn sie an der Reihe sind, und mir gar nicht zuhören. Da komme ich mir einfach überflüssig vor.

Dürfen Sie eigentlich alle Filme hier gratis sehen?

Nein, während der Film läuft, haben wir hier ja auch zu tun. Wir gehen höchstens einmal kurz rein, um sehen, ob alles richtig läuft, oder wenn Gäste kommen und uns sagen, dass jemand im Saal für Unruhe sorgt.

Kommt das denn häufiger vor?

Nein, ich selbst habe es in all den Jahren nur zweimal erlebt.

Das Kino liegt ja auch in einer Ecke, die einen etwas zweifelhaften Ruf hat ...

Ja, die Johannisstraße hat sich verändert. 1993 war sie eine gute Straße, dann ging es bergab. Aber mein Eindruck ist, dass es jetzt wieder besser wird.

Wenn Sie schon nicht gratis ins Kino gehen dürfen – dürfen Sie wenigstens gratis Popcorn essen?

Offiziell nein (lacht). Aber wir müssen schon einmal probieren, um zu wissen, ob es den Gästen auch schmeckt. Aber eigentlich will ich es gar nicht mehr.

Welche Filme mögen Sie denn?

Mir gefielen „Troja“, „Gladiator“, „Matrix“. Ich mag besonders die Musik von Hans Zimmer aus „Gladiator“. Die höre ich besonders gerne, wenn ich zu Hause bin und relaxen will.

Wie oft gehen Sie denn noch ins Kino?

Das ist in den letzten fünf Jahren deutlich weniger geworden – also seit ich Familienvater bin. Da komme ich nicht mehr so oft ins Kino.


Quelle: NOZ, Foto: Swaantje Hehmann



Zurück zu Pressemitteilungen

Partner


LUMEN Solingen
LUMEN Düren
Filmpassage Osnabrück
Filmpassage Mülheim
Cineworld Lünen
Filmpassage Salzgitter
checkinevent
ECCO