Trotz Freigabe ab 12

Filmpassage lässt 15-Jährige nicht in „Blade Runner“


Der Sci-Fi-Blockbuster „Blade Runner 2049“ ist für Jugendliche ab 12 Jahren freigegeben. Die Osnabrücker Filmpassage findet das verantwortungslos – und schickt Zuschauer unter 16 Jahren wieder nach Hause.


„Das Risiko einer Beeinträchtigung besteht für ab Zwölfjährige nicht.“ So urteilt die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) über „Blade Runner 2049“ – und gibt den Science-Fiction-Blockbuster deshalb für diese Altersgruppe frei. In der Filmpassage stößt diese Entscheidung auf Unverständnis. „Fahrlässig und verantwortungslos“, nennt die Geschäftsführung die Freigabe in einer Pressemitteilung. „Den Film finden wir großartig“, heißt es hier, „aber er ist und bleibt Erwachsenenunterhaltung!“ Deshalb macht das Kino von seinem Hausrecht Gebrauch und verweigert Zuschauern unter 16 Jahren den Zutritt.

Wie begründet die Filmpassage ihr Verhalten?

Das Kino beruft sich bei seiner Entscheidung auf „drastische Gewaltszenen“, stellt aber ausdrücklich die gesamte Machart von Denis Villeneuves Film ins Zentrum. „Es sind nicht nur einzelne Filmszenen, die uns dazu bewogen haben, unseren Gästen den Film erst ab 16 Jahren zugänglich zu machen, sondern auch die düstere Atmosphäre und recht komplexe Grundthematik“, antwortet Malte Gertje von der Filmpassage. Vereinzelt hätten sich auch Zuschauer schon über die Altersfreigabe beschwert. Ein wichtiges Argument ist außerdem: Nur bei einer Freigabe ab 12 Jahren haben Eltern die Möglichkeit, auch schon jüngere Kinder mit ins Kino zu nehmen. In Begleitung dürften schon Sechsjährige den beinahe drei Stunden langen Film ansehen. „Inakzeptabel“ findet man das in der Filmpassage, zumal Gertje berichtet, dass wirklich schon Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren den neuen „Blade Runner“ bei ihm besuchen wollten.

Hat der Verleih die Altersfreigabe beeinflusst?

In der Filmpassage ärgert man sich auch darüber, dass „eine soeben zu Recht auf FSK 16 festgesetzte Freigabe im eigenen Hause der FSK dergestalt revidiert wird, dass nun im Extremfall Sechsjährige Zutritt haben“. Tatsächlich hat „Blade Runner 2049“ das FSK-12-Siegel erst in der zweiten Instanz erhalten und das, so bestätigt es FSK-Geschäftsführerin Christiane von Wahlert, nachdem der Verleih der ersten Entscheidung widersprochen hatte. Die FSK-Sprecherin betont allerdings, dass dies nichts mit Druck oder Einflussnahme zu tun hat. Das Widerspruchsrecht des Verleihs sei Teil des rechtsstaatlichen Verfahrens; und auch die Prüfer und Prüferinnen der zweiten Instanz entscheiden „unabhängig und weisungsfrei“.

Wie begründete die FSK ihre Freigabe für„Blade Runner 2049“?

Die FSK gibt „Blade Runner 2049“ zwar für Zwölfjährige frei; eine Warnung an Eltern jüngerer Kinder lässt sich aus der Begründung herauslesen: „Einzelne Spannungs- und Kampfszenen mit teils auch drastischen Wendungen können Kinder unter zwölf Jahren im Zusammenspiel mit der düsteren Atmosphäre überfordern“, heißt es hier. „Doch da die Gewalt nie voyeuristisch ausgespielt wird und dramaturgisch gut in die Erzählung eingebunden ist, können bereits Zwölfjährige sie verarbeiten. Dieser Altersgruppe ist die Fiktionalität des Settings und der Geschichte bewusst und sie kann sich ausreichend vom Geschehen distanzieren. Auch mit der moralischen Ambivalenz einiger Charaktere kann diese Altersgruppe umgehen, da der Film letztlich die Bedeutung von Menschlichkeit und Solidarität betont. Das Risiko einer Beeinträchtigung besteht für ab Zwölfjährige daher nicht.“ International kommen Jugendschützer übrigens zu anderen Einschätzungen. In den USA hat der ein R-Rating. Das bedeutet, dass Jugendliche unter 17 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen ins Kino dürfen.

„Blade Runner 2049“ ist nicht der erste Streitfall

Der düstere Science-Fiction-Film ist nicht der erste Fall, in dem die Filmpassage von der FSK-Entscheidung abweicht. Auch beim Horrorfilm „The Boy“ (2016) hatte das Kino Zwölfjährigen trotz Freigabe den Zutritt verweigert; dasselbe gilt für die Komödie „Ted“ (2015) – „aufgrund der sprachlichen Derbheit des Films“, wie Gertje berichtet. Verantwortlich für die Entscheidung ist Filmpassagen-Geschäftsführerin Anja Thies, die die Altersfreigabe auch an ihren anderen Kinostandorten heraufstuft; ihr Unternehmen Consulthies betreibt auch in Mülheim, Salzgitter, Solingen, Düren und Lünen Filmtheater. In Osnabrück ist Thies mit ihrem Votum allerdings allein. Im Cinema-Arthouse und dem Cinestar können auch Zwölfjährige den Film sehen.


Quelle: NOZ



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