Drei Frauen, die das Thema Kino verbindet


Seit Oktober sitzen Frauen in den Chefsesseln aller Mülheimer Kinos. Drei recht unterschiedliche Persönlichkeiten trafen sich zu einer lebhaften Runde: Alexandra Pahl (Cinemaxx), Anja Thies (Filmpassage) und Marianne Menze (Rio)

Angenommen, Sie wären drei Frauen, die heute im Cinemaxx zum Kinobesuch verabredet sind. Auf welchen Film könnten sie sich einigen?
Alexandra Pahl: Ich würde den „Hobbit“ vorschlagen.
Marianne Menze: Alle, die gerade laufen, habe ich schon gesehen, oder sie sind nicht mein Ding. Aber ich komme sowieso kaum zum Kinogucken. Wir sehen ja viele Filme schon vorher auf Festivals.
Anja Thies: Und wenn man in anderen Städten, beispielsweise im Urlaub, ins Kino geht, schaut man sich eher die Gebäude an.

Wenn man sich das Mülheimer Kinopublikum als Kuchen vorstellt: Wie verteilen sich die Stücke auf Ihre drei Häuser?
A. Thies: Ich würde sagen, das Kino in der Innenstadt erreicht ein Viertel von dem, was das Cinemaxx macht. Das gilt es umzukehren, optimistischer Weise.
M. Menze: Im Rio sind es Krümel, vielleicht ein Prozent. Aber man kann es auch weder von der Größe noch vom Publikum vergleichen. Es ist eine Ergänzung.

Wie lief das Kinojahr 2013 im Cinemaxx Mülheim?

A. Pahl: Wir sind sehr gut gestartet, auch mit „Django Unchained“. Aber mit dem schönen Wetter brachen uns dann die Besucher weg. Jetzt gerade holen wir wieder auf, doch was wir im Sommer verloren haben, können wir nicht mehr einspielen. Unterm Strich werden es etwas weniger Zuschauer sein als im Vorjahr und auch etwas weniger als geplant.

Wie sieht die Bilanz des Kinos im Forum aus?
A. Thies: Das ist etwas schwierig zu beurteilen, denn wir hatten ja einen Betriebsübergang und keinen Kauf. K-Motion war also nicht verpflichtet, uns die Zahlen darzulegen. Aber wenn wir nur das letzte Quartal betrachten und mit Hochrechnungen für 2012 vergleichen, werden wir etwa fünf Prozent zulegen.

Frau Pahl, nun haben Anja und Meinolf Thies einige „Überraschungen“ angekündigt, die es in der Filmpassage künftig geben wird. Macht Ihnen das Sorge?

A. Pahl: Nein, ich blicke ganz optimistisch in das nächste Jahr.

Trotz der Fußball-WM?
A. Pahl: Trotz WM und Überraschungen, die möglicherweise aus dem Mülheimer Zentrum kommen.

Sie beide, Frau Menze und Frau Thies, haben eines gemeinsam: Sie führen das Unternehmen zusammen mit Ihrem Mann. Welche Vor- und Nachteile bringt das mit sich?

A. Thies: Es hat sicher den Vorteil, dass man sich überhaupt mal sieht. Und: Man kann Probleme ganz anders besprechen. Mein Mann und ich haben unterschiedliche Herangehensweisen, was Kino angeht. Er ist ein alter Hase und lässt sich ungern reinreden, ich komme aus einer ganz anderen Branche. Aber dann wird diskutiert, und meistens kommt etwas Gutes dabei heraus.
M. Menze: Bei uns ist der Altersunterschied größer. Mein Mann macht zwar seit 50 Jahren Kino, ist aber mittlerweile in Rente. Wir reden immer noch über alles, er gibt Tipps, berät, aber aus dem alltäglichen operativen Geschäft ist er raus.
A. Thies: Das kann ich über meinen Mann nicht sagen...
A. Pahl: Ich empfinde es als Vorteil, jemanden zu Hause zu haben, der so gar nichts mit Kino zu tun hat.

Was macht Ihr Mann beruflich?

A. Pahl: Er ist Lehrer an einem Gymnasium.

Finden Sie es es schwierig, ein Privatleben zu pflegen außerhalb der Kinoszene?
A. Thies: Für uns ist es schwer. Ich würde sagen, in unserem Freundeskreis sind zu 80 Prozent Leute aus der Branche. Wenn wir mal irgendwo eingeladen sind, wo uns keiner kennt, das ist fast eine Wohltat.
M. Menze: Meine engen Freunde haben nichts mit Kino zu tun, außer als Zuschauer. Das ist angenehm.
A. Pahl: Man hat wenig Freizeit. Aber die verbringe ich mit meinem Freundeskreis, der mit Kino überhaupt nichts zu tun hat. Außer, dass man immer einen Aufhänger hat für ein Gespräch. Das Thema Kino ist immer ein Einstieg. Es verbindet.

Frau Menze, Sie waren Sportlehrerin. Wo haben Sie unterrichtet?

M. Menze: An einer Realschule in Wattenscheid und an der Gehörlosenschule in Essen. Außerdem hatte ich jahrelang eine Film-AG.

Was sollten Jugendliche über Film wissen bzw. lernen?

M. Menze: Ich würde nach Frankreich schielen, da ist Film eine eigenständige Kunstform. In Deutschland dagegen sieht man Film immer als reine Kommerzgeschichte, dabei gibt es eine große Bandbreite.

Wo könnte man Film im Rahmen des Schulunterrichts unterbringen?
M. Menze: Im Fach Kunst, aber so, dass Jugendliche wirklich ein Gefühl dafür bekommen, auch für das Kinoerlebnis. Gerade heute, wo alle nur ihre kleinen Kisten haben und sich Filme runterladen. Wir bräuchten Filmpädagogen, die direkt an den Schulen arbeiten.

Gehen Kinder heutzutage zu früh ins Kino?
M. Menze: Nein, sie gehen zu früh in die falschen Filme.
A. Thies: Ja, das glaube ich auch.
A. Pahl: Aber daran sind die Eltern schuld.
M. Menze: Nicht nur die Eltern. Was ich schlimm finde, ist unsere FSK-Freigabe. Die halte ich für völlig falsch. 0, 6, 12: Ob das die richtigen Schritten sind, von der Entwicklung der Kinder her, ist die Frage. Man müsste die Kategorien überprüfen. Und ganz fatal finde ich Filme, die ab zwölf freigegeben sind: Hier können Kinder in Begleitung der Erziehungsberechtigten auch schon mit sechs reingehen. Und fast alle Filme sind ab zwölf, die Branche brüllt ja schon auf, wenn ein Film ab 16 ist.
A. Thies: Wir versuchen immer, die Kinderfilme in 3 D und in 2 D zu zeigen. Denn nicht für jedes kleine Dötzchen ist 3 D geeignet. Darum muss man möglichst mehrere Varianten anbieten.

Frau Pahl, ist Ihr sechsjähriger Sohn auch schon Kinogänger?
A. Pahl: Nein. Er tastet sich da langsam heran, und das ist auch gut so, er hat nämlich noch Probleme mit schnellen Bildern. Sie machen ihm Angst. Ich muss aber mal eine Lanze für das Mülheimer Publikum brechen: Die Eltern sind oft vorne an der Kasse und fragen uns: ,Dies ist der erste Kinobesuch. Worauf muss ich achten?’ Wir sagen dann: ,Gehen Sie rein, schauen Sie es sich an, und wenn Sie nach zwei Minuten abbrechen müssen, kein Thema, wir erstatten auch das Geld.’ Ich sehe selten, dass Kinder für einen Film zu klein sind. Wir haben dieses Problem hier in Mülheim nicht.

Betreiben Sie als Kino-Chefinnen auch Ausbildung?
A. Thies: Wir schon. In der Filmpassage Osnabrück haben wir zwei Azubis, Veranstaltungskaufleute, und wir wollen auch in Mülheim ausbilden. Das wurde bislang noch nicht gemacht, aber wir werden es im nächsten Jahr beginnen.

Wie viele Stellen werden es sein?

A. Thies: Eine, maximal zwei, denn man muss sich natürlich auch um die Auszubildenden kümmern. Wir haben aber bisher gute Erfahrungen gemacht und auch alle jungen Leute übernommen.
A. Pahl: Wir bilden ebenfalls Veranstaltungskaufleute aus und haben derzeit eine Auszubildende.

In der Bewerbung sollte dann sicher stehen, dass man glühender Kinofan ist, oder?

A. Thies: Ja.
A. Pahl: Das sollte nicht nur drin stehen, das sollte man fühlen.
M. Menze: Das sollte selbst bei Aushilfen drin stehen.


Quelle: WAZ



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