Osnabrücker Filmpassage: Altes Traditionskino erfindet sich neu


Die Filmpassage erfindet sich neu: Ab sofort wird in den ersten Sälen digital projiziert. Die angejahrte Bestuhlung kommt raus, und bis Ende des Monats soll die Osnabrücker Kinolandschaft um ein neues Konzept reicher sein: um einen Luxussaal mit geräumigen Ledersesseln.

Im Kino an der Johannisstraße herrscht hektische Betriebsamkeit: Bei laufendem Spielbetrieb tauschen Handwerker derzeit die ehrwürdigen Sitze aus, pro Woche sind zwei der neun Säle dran. Ende des Monats werden gut 1500 Sessel ausgetauscht sein. „Für das Kino waren sie uns nicht mehr schön genug, aber zum Wegwerfen sind sie die meisten zu schade“, sagt Anja Thies. Seit Mai letzten Jahres führt sie als neue Betreiberin die Filmpassage. Und für die alten Sitze hat sie eine Idee: „Es gibt sicher Liebhaber, die einen Sessel für ihr Heimkino suchen.“ Gegen zehn Euro gibt sie die Stühle an Interessierte ab. „Wer mehr als 20 nimmt, zahlt die Hälfte“, sagt Thies. „Vielleicht gibt es auch soziale oder kulturelle Einrichtungen, die so einen Großposten brauchen können. Wenn dann ein guter Zweck dahintersteht, verlangen wir natürlich gar keine Bezahlung.“

Thies investiert viel, um der Filmpassage den 90er-Jahre-Schick der Gründerzeit auszutreiben. Bis Ende des Monats soll das Kino komplett digitalisiert sein; in drei Sälen werden dann 3-D-Filme laufen. Aber das Filmtheater soll nicht nur technisch auf dem aktuellen Stand sein, sondern auch ein neues Filmerlebnis ermöglichen: „Für den Saal 9 gilt in Zukunft das Motto ‚Filmpassage de Luxe‘“, sagt Thies. Das bedeutet? Geräumige Ledersessel, mehr Beinfreiheit, Tischchen, mehr Abstand zum Sitznachbarn. Erfahrungen mit dem Edel-Konzept hat sie in Essen und Mülheim an der Ruhr gesammelt, wo sie mit ihrem Mann das Management zweier Cinemaxx-Kinos verantwortet. Hier haben die Luxus-Säle sogar Service-Betrieb am Platz – eine Idee, die in Osnabrück allerdings zumindest zu Anfang noch nicht umgesetzt werden soll.

Macht die Filmpassage also in Zukunft dem Cinema-Arthouse die liquide Kundschaft streitig, jenes begehrte Kulturpublikum gesetzteren Alters, das zum französischen Wohlfühlfilm ein gutes Glas Rotwein bestellt? Thies entwarnt: „Es gibt schon ein Arthouse in Osnabrück.“ Sie will deshalb auch im Luxussaal guten Mainstream zeigen – zu dem sie aber auch massenwirksame Europäer wie „Ziemlich beste Freunde“ zählt. Dass die neue Führung bei der Programmgestaltung auch neue Akzente setzt, ist schon jetzt unübersehbar: Bis vor Kurzem war allenfalls das türkische Kino Alleinstellungsmerkmal der Passage. Inzwischen hatte das Kino wiederholt viel diskutierte Genre-Filme wie „Sinister“ und „Alexandre Ajas Maniac“ oder den deutschen Debütfilm „Du hast es versprochen“ exklusiv im Programm. Die zunehmende Zahl der Filmstarts, die auf eine begrenzte Zahl von Leinwänden drängen, macht es möglich. „Natürlich schnappen wir uns da Nischenfilme, die die anderen nicht zeigen“, so Thies.

Wie passt eigentlich der Luxus-Gedanke zum Geist der frühen 90er, der heute noch durch die verglaste Passage weht? „Baulich können wir als Mieter nicht alles ändern“, sagt Thies. „Aber wir tun was.“ Vor den Kinos 3 bis 7 soll ein Lounge-Bereich entstehen. Das Glasdach wird im Sommer mit Sonnensegeln verschönert. Und ganzjährig soll ein roter Teppich durch die Passage führen. „Auch wenn wir den wegen Schneematsch dann öfter mal austauschen müssen!“ Das alles klingt nicht nur edel – sondern auch teuer. Thies: „Wir haben keinen Druck. Es muss sich nicht im ersten Jahr amortisieren. 2012 hatten wir 150000 Besucher. Wenn es 20 bis 25 Prozent mehr werden, komme ich zurecht.“

Kinosessel fürs Heimkino? Die Filmpassage gibt 1500 alte Sitze zu je 10 Euro ab. Sammelbesteller (20 Stück) zahlen 5 Euro, soziale oder kulturelle Großabnehmer gar nichts. Kontakt unter info@filmpassage.de

Quelle: NOZ



Zurück zu Pressemitteilungen

Partner


LUMEN Solingen
LUMEN Düren
Filmpassage Osnabrück
Filmpassage Mülheim
Cineworld Lünen
Filmpassage Salzgitter
checkinevent
ECCO