Licht und Schatten im Cinemaxx

 

Der Kino-Palast wird 20. Leiter Meinolf Thies erklärt, warum heute nur halb so viele Leute kommen wie in den Neunzigern - und was die Zukunft bringt.

Ein Riesen-Multiplex-Kino in der Essener Innenstadt, so ein Unsinn. Wie lange soll das denn gutgehen. Wo es doch schon genügend Kinos gibt! So redeten die Arbeiter auf der Großbaustelle am Berliner Platz; Kino-Chef Meinolf Thies hörte die Männer unken. Sie bauten Deutschlands größtes Multiplex-Kino, und heute ist es genau dies noch immer: Deutschlands größtes Multiplex-Kino. „Das Ding in dieser Größe genau hier hinzusetzen“, sagt Thies heute, „war eine strategisch geniale Entscheidung.“

Das Cinemaxx hat Geburtstag. Es wird 20 Jahre alt. Mit einer Gala wurde es am 11. Dezember 1991 eröffnet, es war das fünfte seiner Art in Deutschland. Eine Woche später machte in Köln das „Cinedom“ auf, es hat 3800 Sitze. Das Cinemaxx in Essen hat 5250.

Was, bitte, war so genial an der Entscheidung? „Wenn das Cinemaxx hier nur halb so groß geworden wäre“, sagt Thies, „wären kurze Zeit später in Rüttenscheid wahrscheinlich noch eins entstanden und an der 224 in Richtung Bottrop auch noch eins.“ So war der Geist der Zeit damals, Anfang der Neunziger, als die Bundesrepublik flächendeckend überzogen wurde mit Multiplex-Kinos, und die Leute kamen wie verrückt: 1993 allein in Essen fast zwei Millionen, in jenem Jahr liefen „Jurassic Park“ und „Grüne Tomaten“. Dieser Spitzenwert wurde nie mehr erreicht, ab 1997 sanken die Zahlen bundesweit deutlich. Einige Multiplexe haben dichtgemacht. „Trotzdem habe ich vor zehn Jahren noch gesagt, die Zahl in Essen wird nie unter eine Million rutschen“, bekennt Thies. Ein Fehler.

Vor zehn Jahren konnte man allerdings auch noch keine Filme aus dem Internet ziehen. Vor zehn Jahren standen die Filme noch nicht sechs Wochen nach Kinostart als Zehn-Euro-DVD in den Elektromärkten. Die jährliche Kundenzahl im Essener Cinemaxx liegt mittlerweile bei 800 000; Thies muss damit zufrieden sein, das Phänomen „3D“ konnte Schlimmeres verhindern. Fast ein Viertel der verkauften Tickets seien mittlerweile für 3D-Filme.

„Früher haben Sie auch nicht jeden Abend Fußball im Fernsehen gucken können. In einer Region wie dieser merken wir das.“ Das heißt: Wenn im DSF um 20 Uhr ein attraktives Zweitligaspiel läuft, dann kostet das Kunden. Teile der jungen Zielgruppe, da ist Thies sicher, erreicht man heute nicht mehr, Der Versuch im Jahr 2006, den Saal 13 unter dem Titel „Cinegamez“ in eine PC-Spielhalle umzuwandeln, wurde nach wenigen Monaten abgebrochen. „Dafür haben wir bei den Leuten zwischen 40 und 50 höchste Zuwächse.“ Auch Spätvorstellungen gebe es weiter durchgehend, „das ist längst nicht mehr überall so“. Und man setze auf mehr Komfort und beste Ausstattung; sieben der 16 Säle sind umgestellt auf Digitaltechnik. Und Heimkino? Diese Riesen-Fernseher mit Rundum-Klang? Thies schüttelt den Kopf: „Sind keine Konkurrenz. Die Discounter haben eine Zeit lang versucht, den Leuten einzureden, für 99 Euro könnte man das Kino zu Hause haben. Kann man aber nicht. Das wissen jetzt alle.“

Wichtig sei heute mehr denn je, dass Filme gut geplant würden – im kommenden Jahr, klagt Thies, seien die Starts von „Ice Age 3“ und „Spider Man“ auf denselben Tag gelegt worden, „davon hat kein Beteiligter etwas“.

In Essen machte unter anderem das Europa-Kino auf der Viehofer Straße zu und 1996 der „Grand Filmpalast“ der UFA. Auch das Broadway am Kopstadtplatz gibt es nicht mehr. Das Cinemaxx wird seinen Teil dazu beigetragen haben. Doch wo der „Grand Filmpalast“ war, da ist heute das GOP-Varieté; Europa, Broadway, Filmpalette: längst Discos. Man muss das Popcorn-Ambiente von Multiplex-Kinos nicht mögen, aber eins kann man dem Cinemaxx nicht vorwerfen: Dass es zur abendlichen Verödung der City beigetragen hat. Das Gegenteil ist der Fall. „Noch immer kommt ein Drittel der Besucher aus den umliegenden Städten“, sagt Thies. „Die tanken hier, die gehen hier was essen. Wir sind ein starker Wirtschaftsfaktor.“ Eigentlich ein Unding, dass er das extra betonen muss. Nach 20 Jahren.

Alles Gute, Cinemaxx!


GEBURTSTAGS-AKTION

Einladung an alle, die noch nie da waren: Cinemaxx-Geschäftsführer Meinolf Thies lädt zehn Essener WAZ-Leser ein zu einem Gratis-Besuch mit Filmvorführung – Bedingung: Die Kandidaten sollten mindestens 20 Jahre alt sein und schriftlich (!) möglichst nachvollziehbar begründen, warum sie noch nie in ihrem Leben das Multiplex-Kino am Berliner Platz besucht haben. Schriftliche Bewerbungen nimmt Meinolf Thies persönlich entgegen: Bitte per E-Mail an info@consulthies.de. Letzter Einsendetag: Sonntag, 18. Dezember 2011.

Quelle: WAZ



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